Gesundheitstipp von
Univ. Prof. Dr. Siegfried Meryn
Hämophilie – auch als Bluterkrankheit bekannt – ist eine seltene, meist erbliche Blutgerinnungsstörung, die vor allem Männer betrifft. Dabei gerinnt das Blut deutlich langsamer als bei gesunden Menschen, wodurch langanhaltende Blutungen, verzögerte Wundheilung und häufige blaue Flecken auftreten können. Besonders problematisch sind Einblutungen in Muskeln und Gelenke, die langfristig zu Bewegungseinschränkungen und Gelenkschäden führen können.
Wie Hämophilie entsteht
Kurz zu den Hintergründen: Sehr einfach formuliert, hat unser Blutgerinnungssystem verschiedene Gerinnungsfaktoren, die nummeriert sind. Hat der Faktor acht ein Problem, bzw. besteht ein Mangel an diesem Gerinnungsfaktor, spricht man von Hämophilie A, sie ist die häufigere Form; ist Faktor neun betroffen, von Hämophilie B. Das bedeutet, dass das betroffene Gerinnungssystem nicht mehr funktioniert, das Blut ist zu flüssig und kann einbluten. Die Diagnose erfolgt mittels speziellem Bluttest (Gerinnungsanalyse genannt) beim Facharzt.
Die Therapieansätze
Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung? Schon länger gibt es sogenannte Faktorenkonzentrate – etwa mittels Infusion wird der entsprechend fehlende Faktor dann bei den Betroffenen ersetzt. Dabei gibt es zwei Vorgangsweisen: Die eine ist akut. Also wenn es aktuell zu einer Blutung gekommen ist – die Betroffenen wissen ja von ihrer Gerinnungsstörung, erkennen die Symptomatik und sind in regelmäßiger medizinischer Betreuung in Spezialambulanzen. In manchen Fällen ist solch eine Infusion auch prophylaktisch oder vor einer größeren Operation möglich. Besonders bei Letzteren ist es wichtig, das Blut bereits im Vorfeld zu verändern und damit die Gerinnung zu optimieren.
Modernste Forschung
Neu ist noch die Methode der Antikörpertherapie. Dabei werden diese Antikörper unter die Haut injiziert (subkutan). Diese wirken auf das Gerinnungssystem im Körper so, dass das Blut fester bleibt. Ganz neu sind Gentherapien und die Frage, die alle bewegt, was können sie bewirken? Ich denke, dorthin wird die Medizin in der Gegenwart, aber auch in Zukunft hingehen.
Gen-Taxi
Da es sich bei Hämophilie um ein defektes Gen handelt, kann man nun ein korrigiertes Gen mittels „Gen-Taxi“ einbringen. Damit kommt das korrigierte Gen ins Blut, wird weiter in die Leber transportiert und ersetzt genau dort das kaputte oder fehlerhafte Gen, welches für das Problem verantwortlich ist. Eine sehr neue Behandlungsmethode, die noch kein Standard für alle ist, da es noch nicht in allen Fällen funktioniert.
Aber Sie sehen hier, wie in schon so vielen Bereichen, den Fortschritt der Medizin. Wie immer wünsche ich Ihnen vor allem Gesundheit!
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